Puls im Ohr: AirPods Pro 3 gegen Brustgurt — 2 Schläge mittlerer Fehler und ±10 bei hoher Intensität
Irische Forschende haben den Pulssensor der AirPods Pro 3 an 40 Teilnehmern und 16 735 Messpaaren mit dem Brustgurt Polar H10 verglichen. Der mittlere Fehler liegt bei etwa 2 Schlägen, eine systematische Abweichung gibt es nicht, doch bei hoher Intensität weichen einzelne Werte um ±10 ab. Wir zeigen, für welche Einheiten die Kopfhörer genügen.

Seit Herbst 2025 messen nicht nur Uhren und Fitnessarmbänder den Puls, sondern auch Kopfhörer: In den AirPods Pro 3 steckt ein optischer Sensor, der in den Gehörgang leuchtet. Für Läufer klingt das verlockend — weniger Geräte, und das Ohr wackelt im Gegensatz zum Handgelenk kaum. Doch wie weit kann man diesen Daten trauen? Die erste unabhängige Überprüfung erschien im Frühjahr 2026.
Was untersucht wurde
Das Team um Doherty vom University College Dublin (Irland) (PLOS Digital Health, April 2026) führte eine Laborvalidierung durch.
- 40 Erwachsene, Durchschnittsalter 23,8 Jahre, 37,5% Frauen.
- Protokoll auf dem Laufband: Ruhe, dann Stufen vom Gehen bis zum Laufen bei einer Belastung von etwa 40 bis 85% der berechneten maximalen Herzfrequenz, inklusive abrupter Tempowechsel.
- Referenz war der Brustgurt Polar H10, der den Puls aus dem elektrischen Signal des Herzens ableitet (wie ein EKG).
- Die Daten beider Geräte wurden zeitlich synchronisiert und in 5-Sekunden-Abschnitte zerlegt — insgesamt 16 735 Messpaare.
- Die Kopfhörer wurden im normalen Handel gekauft, Apple war an der Studie nicht beteiligt. Finanziert wurde sie von staatlichen irischen Forschungsfonds.
Was herauskam
- Eine systematische Abweichung gibt es praktisch nicht: Im Mittel zeigten die AirPods 0,03 Schläge weniger an als der Polar.
- Der mittlere absolute Fehler beträgt 2,08 Schläge pro Minute bzw. 2,02%.
- Über die Intensitätszonen hinweg blieb der mittlere Fehler im Bereich von 1,3–2,4 Schlägen — von Ruhe bis zu intensiver Belastung.
- Die Streuung einzelner Messwerte ist jedoch spürbar: Bei 95% der Fünf-Sekunden-Abschnitte lag die Differenz zur Referenz innerhalb von ±10 Schlägen, und je höher der Puls, desto breiter dieser Korridor.
Zum Vergleich führen die Autoren eine Metaanalyse zur Apple Watch an: Dort liegt die mittlere Abweichung ebenfalls unter einem Schlag, der Fehlerkorridor bei etwa ±7 Schlägen. Die Kopfhörer sind also im Mittel nicht schlechter als die Uhr, „rauschen“ aber bei hoher Intensität etwas stärker.
Warum das Ohr und nicht das Handgelenk
Ein Sensor im Ohr sitzt näher am zentralen Blutkreislauf und leidet weniger unter der Gefäßverengung bei Kälte als das Handgelenk. Für Läufer noch wichtiger: Die Optik am Handgelenk verwechselt den Puls manchmal mit dem Schrittrhythmus — der Effekt Cadence Lock, den wir in einem eigenen Artikel ausführlich erklären. Im Ohr gibt es eigene Störquellen: Kopf- und Kieferbewegungen sowie schlecht sitzende Ohrstöpsel. Genau darauf führen die Autoren die wachsende Streuung bei hoher Intensität zurück.
Einschränkungen
- Labor und Laufband. Kein Wind, keine Kälte, kein Regen, kein Schweiß, der in der dritten Stunde ins Ohr läuft.
- Die maximale Belastung lag bei etwa 85% der berechneten maximalen Herzfrequenz. Kurze maximale Intervalle und Sprints wurden nicht getestet.
- Junge, gesunde Teilnehmer, Hauttypen nach Fitzpatrick nur I–IV. Bei älteren Menschen und dunklerer Haut kann die Genauigkeit abweichen.
- Eine Firmware und eine iOS-Version: Algorithmus-Updates können das Ergebnis verbessern, aber auch verschlechtern.
- Die Ohrstöpsel wurden vom Laborpersonal nach Herstelleranleitung angepasst — im Alltag sitzen sie oft schlechter.
Wie man das anwendet
- Lockerer Dauerlauf, Regeneration, langer Lauf. Um „nicht über Zone 2“ zu kontrollieren, ist ein mittlerer Fehler von 2 Schlägen ein ausgezeichnetes Ergebnis. Die Kopfhörer reichen aus.
- Tempo, Schwelle, Intervalle. Hier zählt die Grenze zwischen benachbarten Zonen, und ein Korridor von ±10 Schlägen kann Sie von einer Zone in die andere werfen. Für solche Einheiten ist ein Brustgurt zuverlässiger.
- Achten Sie auf den Trend, nicht auf die Zahl. Ein einzelner Ausschlag um 8–10 Schläge bei hoher Intensität kann Rauschen sein. Orientieren Sie sich am Mittelwert über den Abschnitt.
- Der Sitz entscheidet. Wählen Sie die Größe der Ohrstöpsel so, dass sich der Kopfhörer beim Laufen nicht bewegt: Von einem festen Kontakt hängt die Qualität des optischen Signals ab.
- Bestimmen Sie Ihre maximale Herzfrequenz nicht mit den Kopfhörern. Dafür brauchen Sie einen Brustgurt und das richtige Protokoll — wie Sie Ihr Maximum finden, steht im Artikel über Formeln für die maximale Herzfrequenz.
- Zonen, die von der Schwelle oder vom Maximum abgeleitet sind, lassen sich bequem im Zonengenerator neu berechnen.
Das Wichtigste
- Erste unabhängige Überprüfung der AirPods Pro 3: 40 Personen, 16 735 Messpaare gegen den Brustgurt Polar H10.
- Keine systematische Abweichung, mittlerer Fehler etwa 2 Schläge (2%) — auf dem Niveau der besten Uhren.
- Bei hoher Intensität weichen einzelne Werte um ±10 Schläge von der Referenz ab.
- Für lockere Läufe und Trendkontrolle reichen die Kopfhörer; für Intervalle und genaue Zonengrenzen — Brustgurt.
Quellen: Doherty C., Burke D., Mitchell O., Lawless D., Brar J., Fuchs M., Lambe R. „Accuracy of heart rate measurement using AirPods Pro 3 during graded treadmill exercise: A laboratory-based validation study“. PLOS Digital Health, 2026;5(4):e0001373. DOI: 10.1371/journal.pdig.0001373