Vorhofflimmern bei Ausdauersportlern: Es kommt auf das Volumen an, nicht auf die Sportart

Bei Ausdauersportlern tritt Vorhofflimmern 2- bis 5-mal häufiger auf, doch der Zusammenhang ist U-förmig: Moderate Belastung schützt das Herz, chronische Extremvolumina können das Risiko erhöhen. Wir schauen uns die Daten an und die Signale „Zeit für den Arzt”.

EG
Ekaterina Gromova

Stellen Sie sich vor: Sie haben Ihren langen Sonntagslauf beendet, der Puls sinkt ruhig ab – und plötzlich „flattert" etwas in der Brust, das Herz gerät aus dem Takt. Für die meisten ist das eine einmalige Episode ohne Folgen. Doch bei Ausdauersportlern mit langjähriger Erfahrung meldet sich manchmal genau so zum ersten Mal das Vorhofflimmern (VHF) – die häufigste Herzrhythmusstörung. Das Paradoxe daran: Sport schützt das Herz und kann – bei enormen kumulierten Volumina – das Risiko genau dieser einen Rhythmusstörung leicht erhöhen. Schauen wir uns das in Ruhe und anhand der Daten an.

Was die Daten zeigen

Bei Ausdauersportlern tritt VHF häufiger auf als bei bewegungsarmen Menschen – etwa 2- bis 5-mal so oft (JACC: Case Reports, 2026). In einer großen Untersuchung von 3939 gesunden Männern über 45 Jahren lag die Gesamtprävalenz von VHF/Vorhofflattern bei 7,5 %, und sie stieg deutlich mit dem Alter: von 5–10 % bei Läufern und Radfahrern im Alter von 55–60 Jahren bis zu 10–18 % bei Radfahrern und Skilangläufern im Alter von 65–70 Jahren (Eur Heart J Open, 2026).

Der Schlüsselfaktor ist dabei nicht die Sportart, sondern das kumulierte Volumen. Bei Menschen mit der höchsten summierten Trainingsbelastung verdoppeln sich die adjustierten Odds für VHF etwa (aOR rund 1,9–2,0). Die Dosis-Wirkungs-Beziehung zeigt sich direkt in den Zahlen: etwa +2 % Risiko pro 1000 Trainingsstunden und rund +16 % je 10 Jahre aktiver Praxis. In den extremsten Kohorten – ehemalige Profi-Ruderer oder Elite-Orientierungsläufer – stieg das Risiko um das 5- bis 7-Fache, doch das sind seltene Extremfälle und nicht das Porträt eines Freizeitsportlers.

Die Mechanismen sind verständlich: Jahre umfangreicher Belastung dehnen und vergrößern die Vorhöfe allmählich (beim Fallbeispiel des JACC-Beitrags – eine moderate Erweiterung des linken Vorhofs ohne strukturelle Herzerkrankung), begünstigen Fibrose, und der niedrige Ruhepuls sowie der hohe Vagotonus schaffen einen „elektrischen" Nährboden für Rhythmusstörungen. Fügt man Entzündung und genetische Veranlagung hinzu, wird klar, warum bei den einen alles in Ordnung ist und bei anderen nicht.

Die U-förmige Kurve: Die Dosis entscheidet

Der zentrale Gedanke beider Quellen: Der Zusammenhang zwischen Belastung und Herzgesundheit ist U-förmig. Moderate und regelmäßige Aktivität senkt eindeutig kardiovaskuläre Risiken und verlängert das Leben. Doch bei chronischen Extremvolumina kann sich das Training, wie es die JACC-Autoren formulieren, aus der schützenden in die arrhythmogene Zone „verschieben". Wichtig: Es geht um kumulierte Jahre und Tausende von Stunden, nicht um ein einzelnes Rennen. Den Mythos „Marathon tötet das Herz" bestätigen die Daten nicht – für die überwältigende Mehrheit der Freizeitsportler bleibt Sport ein reiner Gewinn.

Symptome und was zu tun ist

Ruhig, ohne Panik – aber diese Signale darf man nicht ignorieren:

  • Aussetzer, „Flattern" oder deutlich unregelmäßiger Puls;
  • unerklärliche Atemnot bei gewohnter Belastung;
  • Schwindel, Präsynkope;
  • plötzlicher Leistungsabfall ohne erkennbaren Grund.

Ein charakteristisches Detail: Bei Sportlern ist das VHF nicht selten „vagal" bedingt – Episoden treten häufiger in Ruhe oder in der Erholungsphase nach dem Training auf, nicht auf dem Höhepunkt der Anstrengung (genau so war es beim 38-jährigen Marathonläufer aus dem JACC-Bericht mit 15 Jahren Erfahrung).

Was tun? Nicht „sicherheitshalber" den Sport aufgeben, sondern die Episode festhalten (ein Wearable mit EKG hilft) und einen Kardiologen aufsuchen. Die moderne Behandlung funktioniert: Bei jenem Patienten wurde nach einem erfolglosen Versuch der medikamentösen Kontrolle eine Pulmonalvenenisolation durchgeführt, und nach 12 Monaten war der Rhythmus stabil, während er nach 8 Wochen zum Training zurückkehrte.

Was Sie schon jetzt im Blick behalten sollten:

  • Alkohol – ein erwiesener VHF-Auslöser;
  • chronischer Schlafmangel und Übertraining;
  • Stimulanzien (übermäßiges Koffein, Energydrinks, manche Pre-Workout-Präparate);
  • eine vernünftige Periodisierung und Erholung – sie senken den summierten „Verschleiß" der Vorhöfe.

Einschränkungen

Die Daten sind großteils beobachtend: Sie zeigen einen Zusammenhang, beweisen aber nicht, dass das Volumen bei jedem direkt VHF „verursacht". Sportarten, Dauer und Intensität sind eng miteinander verflochten, und ihren jeweiligen Beitrag zu trennen, ist schwierig. Das individuelle Risiko setzt sich aus vielem zusammen – Alter, Geschlecht, Körperbau, Risikofaktoren, Genetik und Jahren der Belastung. Besonders aufmerksam sollten jene sein, die 40+ sind, die über Jahre sehr große Volumina halten oder bei denen es eine familiäre Vorbelastung mit Rhythmusstörungen gibt. Und umgekehrt: Der Mythos „Ich bin Sportler – da gibt es sicher keine Rhythmusstörung" ist ebenfalls falsch.

Das Wichtigste

  • VHF tritt bei Ausdauersportlern 2- bis 5-mal häufiger auf; entscheidend ist das kumulierte Volumen, nicht die Sportart.
  • Der Zusammenhang ist U-förmig: Moderate Belastung schützt das Herz, chronische Extremvolumina können das Risiko erhöhen.
  • Alarmsignale: Aussetzer, unregelmäßiger Puls, unerklärliche Atemnot, Schwindel, plötzlicher Formabfall.
  • Für die meisten Freizeitsportler ist das kein Grund, den Sport aufzugeben – sondern ein Grund, einen Kardiologen aufzusuchen und bei Alkohol, Schlaf und Erholung Ordnung zu schaffen.
  • Aufmerksamer sein: Alter 40+, enorme Volumina, familiäre Vorbelastung.

Dieser Beitrag dient Bildungszwecken und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei den genannten Symptomen wenden Sie sich an einen Kardiologen.


Quellen: Alameh I. und Mitarbeiter „Atrial Fibrillation in Athletes: Mechanisms, Management, and Future Directions", JACC: Case Reports, 2026. https://doi.org/10.1016/j.jaccas.2026.107061. Myrstad M. und Mitarbeiter „Atrial fibrillation risk in athletes: it's not the sport, it's the mileage", European Heart Journal Open, 2026. https://doi.org/10.1093/ehjopen/oeag090 (PMID: 42368426).