Kapitel 6. Das „Armaturenbrett“ des Ultramarathonläufers: Planung und Kontrolle
Stunden statt Kilometer, hormonelle Notsignale, ein ehrliches Gespräch über den Körperfettanteil, Regeneration und Schlüsselnährstoffe.
Du weißt bereits, in welchen „Gängen“ (Zonen) du trainieren und wie du im „Gelände“ (Trail) fahren sollst. Jetzt sprechen wir darüber, wie du deine „Route“ (den Trainingsplan) planst und die „Instrumente“ im Blick behältst, um rechtzeitig zu merken, dass das „Benzin“ zur Neige geht oder der „Motor“ überhitzt.
6.1. Stunden, nicht Kilometer
Wir haben uns schon geeinigt: Im Trailrunning ist das Tempo ein relativer Begriff. Deshalb lautet die erste Planungsregel: Miss die Belastung in Stunden, nicht in Kilometern.
Zehn Trainingsstunden pro Woche sind eine verständliche und vergleichbare Größe, egal wo du läufst. Und 100 km pro Woche? 100 km durch einen flachen Park und 100 km in den Bergen mit 5000 Metern Anstieg sind zwei absolut verschiedene Belastungen.
Ein noch genauerer Indikator sind Kalorien. Moderne Uhren berechnen den Energieverbrauch ziemlich genau. Wenn du weißt, dass deine harte Einheit 1500 kcal kostet und die leichte 700 kcal, kannst du deine Belastung sehr flexibel planen, ohne dich an Kilometer oder auch nur an Stunden zu binden.
Für eine präzisere Kontrolle von Belastung und Regeneration gibt es spezialisierte Online-Plattformen, die automatisch die Balance des Trainingsstresses, den Kalorien- und Elektrolytverbrauch verfolgen und den Ernährungsplan an dein Stoffwechselprofil anpassen. Solche Tools sind besonders nützlich bei der Vorbereitung auf wichtige Starts.
6.2. Das „Lackmuspapier“ deiner Gesundheit: Nieren und pH-Wert
Intensives Training ist ein Stress, der den Körper „übersäuert“. Unsere Nieren sind unermüdliche Arbeiter, die rund um die Uhr im Einsatz sind, um das Säure-Basen-Gleichgewicht (pH) im Normbereich zu halten. Wenn wir das System überlasten, kommen die Nieren womöglich nicht mehr hinterher.
Wie behält man das im Blick? Die einfachste und erstaunlich effektive Methode: die Farbe des Urins kontrollieren. Er sollte hell strohfarben sein. Ist er dunkelgelb, bist du dehydriert, und die Nieren müssen im konzentrierten Modus arbeiten. Ist er durchsichtig wie Wasser, trinkst du möglicherweise zu viel und schwemmst Salze aus. Das ist ein einfacher „Indikator“, den du immer dabei hast.
6.3. Hormone: leise Notsignale
Wenn du dich ständig müde und gereizt fühlst, deine Libido verschwunden ist und du schlecht schläfst, liegt es vielleicht nicht am schlechten Charakter, sondern an den Hormonen.
Das „Syndrom des relativen Energiedefizits“ (RED-S) ist ein Zustand, in dem du deutlich mehr Kalorien verbrauchst, als du zu dir nimmst. Der Körper beginnt wie ein weiser Manager in der Krise, „Kosten zu kürzen“: Er drosselt die Produktion der fürs Überleben „nicht zwingend nötigen“ Hormone, darunter der Sexualhormone.
- Bei Männern sinkt der Testosteronspiegel.
- Bei Frauen gerät der Menstruationszyklus durcheinander oder bleibt ganz aus.
Das sind sehr ernste Alarmsignale! Sie bedeuten, dass du nicht einfach müde bist, sondern dich in einem tiefen Energiedefizit befindest, das zu Knochenmasseverlust, Verletzungen und Depression führt. Die Behandlung ist hier eindeutig: mehr essen (besonders Kohlenhydrate und Fette) und weniger trainieren.
6.4. Fett: Freund, nicht Feind
In einer Welt, die vom Abnehmen besessen ist, sind wir gewohnt, Fett als Feind zu betrachten. Aber für den Ultramarathonläufer ist ein bestimmter Fettanteil eine Lebensnotwendigkeit.
- Es ist Energie — dein wichtigster Kraftstofftank.
- Es sind Hormone — das Fettgewebe ist an der Synthese vieler wichtiger Hormone beteiligt.
- Es ist Thermoregulation — es hilft, Wärme zu speichern.
Der Ehrgeiz, sich vor dem Start „bis auf die Knochen zu trocknen“, ist ein riesiger Fehler. Vernünftige Richtwerte für Ausdauerathleten: Männer etwa 8–15 %, Frauen 16–24 %. Das essentielle (lebensnotwendige) Fett liegt bei etwa 3–5 % bei Männern und 10–13 % bei Frauen; sich diesen Werten zu nähern oder sie gar zu halten, ist tabu: Ein zu niedriger Fettanteil ist der direkte Weg zu hormonellen Störungen und RED-S. Deinen aktuellen Anteil kannst du im Körperfett-Rechner einschätzen — mit vier Methoden, von der Formel der US Navy bis zur visuellen Skala.
6.5. Das Spiel mit der Höhe: Wie du die Höhenkrankheit nicht „einfängst“
Wenn dein Rennen in den Bergen stattfindet, wirst du mit einem weiteren Faktor konfrontiert — der Höhe. Der Sauerstoffmangel ist ein ernsthafter Stress.
Es gibt zwei grundlegende Akklimatisierungsstrategien:
- Deutlich früher anreisen (2–3 Wochen vorher). Dein Körper hat Zeit, sich anzupassen, produziert mehr Erythrozyten, und am Start fühlst du dich fast wie zu Hause. Das ist die ideale, aber für Amateure leider selten verfügbare Variante.
- Im letzten Moment anreisen (weniger als 48 Stunden vor dem Start). Der Sinn ist, die härteste Anpassungsphase zu „überspringen“, die üblicherweise am 3.–5. Tag einsetzt. Du gehst noch mit den „alten“ Flachland-Ressourcen an den Start. Das ist eine riskante, aber funktionierende Strategie „für Arme“.
Das Schlimmste, was du tun kannst: 3–4 Tage vor dem Rennen anreisen. Dann gerätst du mitten in das Akklimatisierungs-„Loch“.
6.6. Regeneration: Wenn der Fortschritt auf dem Sofa passiert
Hier ist ein Paradox, das viele Anfänger schwer akzeptieren: Du wirst nicht während des Trainings stärker, sondern während der Erholung danach. Das Training ist ein Stress, der deine Muskeln zerstört, die Energiespeicher leert und das Nervensystem ermüdet. Die Regeneration dagegen ist der Moment, in dem der Körper sich „repariert“ und dabei ein kleines bisschen stärker wird, als er vor dem Training war.
Die Regeneration zu vernachlässigen ist, wie eine Grube zu graben und sie sofort wieder zuzuschütten. Du schuftest, aber du kommst nicht voran.
Schlaf: das königliche Regenerationswerkzeug. Es gibt nichts Mächtigeres für die Erholung als guten Schlaf. Genau im Schlaf:
- erholen sich die Muskeln;
- wird das Wachstumshormon synthetisiert;
- wird das Immunsystem gestärkt;
- konsolidiert sich das Gedächtnis (auch das Muskelgedächtnis).
Für einen Ausdauersportler sind 7–8 Stunden Schlaf das Minimum, in Phasen hoher Belastung 9 Stunden. Wenn du 5–6 Stunden schläfst, sabotierst du buchstäblich deinen Fortschritt. Keine Gels und keine Supplemente kompensieren chronischen Schlafmangel.
Aktive vs. passive Regeneration:
- Passiv — vollständige Ruhe. Auf dem Sofa liegen, ein Buch lesen, eine Serie schauen. Notwendig nach sehr harten Einheiten und Rennen.
- Aktiv — leichte Aktivität (Spaziergang, sehr lockeres Laufen oder Radfahren in Zone 0, Schwimmen, Yoga). Hilft, das Blut in Schwung zu bringen, Abbauprodukte abzutransportieren und Muskelverspannungen zu lösen. Oft wirksamer als völlige Ruhe, besonders am Tag nach einer harten Einheit.
Die goldene Regel: Wenn du zweifelst, ob du eine zusätzliche Einheit oder einen Ruhetag brauchst, wähle die Ruhe. Besser leicht untertrainiert, aber frisch an den Start gehen als übertrainiert und zermürbt.
Regenerationswerkzeuge: was wirklich funktioniert.
- Faszienrolle (Foam Roller). Ein einfaches Werkzeug für die myofasziale Selbstmassage. 10–15 Minuten Ausrollen nach dem Training helfen, Muskelverspannungen zu lösen. Funktioniert es? Ja, moderat. Ist es Pflicht? Nein, aber nützlich.
- Kompressionskleidung. Die Evidenz ist schwach: In einer aktuellen Meta-Analyse zu Ausdauerathleten erreichte der Effekt der Kompression auf den Muskelkater keine statistische Signifikanz, und die Wirkung auf die Leistung ließ sich nicht zusammenfassen. Schaden gibt es keinen; wenn es sich subjektiv gut anfühlt — trag sie.
- Massage. Eine Sportmassage 1–2 Mal im Monat hilft, tiefe Muskelverhärtungen zu lösen, die man mit der Rolle nicht erreicht. Besonders nützlich in Phasen hoher Belastung. Die Massage sollte keine Entspannungs-, sondern wirklich eine Sportmassage sein — tief, mit Bearbeitung der Triggerpunkte.
- Kryotherapie (Kälte). Eisbäder, Kältekammern. Die wissenschaftlichen Daten sind widersprüchlich: Kälte reduziert Entzündungen, kann aber die Anpassung der Muskeln an die Belastung verlangsamen. Setze sie mit Verstand ein: unmittelbar vor einem wichtigen Rennen zur schnellen Erholung — ja, in der Grundlagenperiode der Vorbereitung — nicht nötig.
Was NICHT funktioniert: die meisten „Detox-Prozeduren“, „Energie-Armbänder“, „Wunder-Supplemente“. Die besten Regenerationswerkzeuge sind kostenlos: Schlaf, richtige Ernährung und kluge Belastungsplanung.
HRV: das „Barometer“ deiner Bereitschaft. Die Herzfrequenzvariabilität (HRV) ist ein Indikator dafür, wie gut sich dein Nervensystem von den Belastungen erholt hat. Sie wird morgens gemessen, noch vor dem Aufstehen, mit speziellen Apps und Sensoren.
- Hohe HRV — der Körper ist erholt und bereit für Belastung.
- Niedrige HRV — du bist noch nicht erholt. Besser eine leichte Einheit machen oder gleich einen Ruhetag einlegen.
Die HRV ist kein Pflichtwerkzeug, aber für alle, die zu Übertraining neigen oder ihre Regeneration einfach „digitalisieren“ wollen, ist sie eine sehr nützliche Sache.
Rote Flaggen: wann es Zeit ist zu stoppen. Anzeichen dafür, dass du dem Übertraining nahe bist:
- ständige Müdigkeit, selbst nach dem Schlaf;
- der morgendliche Ruhepuls liegt 5–10 Schläge über dem Üblichen;
- Reizbarkeit, Apathie, depressive Stimmung;
- häufige Erkältungen und Infekte (geschwächtes Immunsystem);
- keine Lust zu trainieren (nicht mit Faulheit verwechseln!);
- Plateau oder Leistungsabfall;
- Schlafstörungen (schweres Einschlafen, oberflächlicher Schlaf);
- Appetitlosigkeit.
Wenn du 3–4 dieser Symptome gleichzeitig beobachtest — das ist ein SOS. Du musst die Belastung dringend reduzieren oder eine Woche komplette Pause einlegen.
📖 Fall aus der Praxis: Maria, 35 Jahre, Trailrunnerin
Maria bereitete sich auf ihre dritte Ultra über 100 km vor. Die beiden vorherigen war sie erfolgreich gelaufen. Sie hatte ein ehrgeiziges Ziel — ihre Zeit um eine Stunde zu verbessern. Sie nahm sich einen harten Trainingsplan vor: 6 Tage pro Woche, Wochenumfang 90–110 km, viele Tempoläufe.
Die ersten 8 Wochen lief alles hervorragend. Die Ergebnisse in den Testeinheiten stiegen. Aber in der 10. Woche begannen die Merkwürdigkeiten:
- sie wachte mit dem Gefühl auf, überhaupt nicht geschlafen zu haben;
- der Morgenpuls stieg von den üblichen 52 auf 64 Schläge;
- beim lockeren Lauf lag der Puls bei 150 bei einem Tempo, wo er sonst 135 betrug;
- ständiges Verlangen, tagsüber zu schlafen;
- sie ärgerte sich über Kleinigkeiten und stritt sich mit ihrem Mann.
„Wahrscheinlich bin ich einfach müde, ich muss durchhalten“, entschied Maria und setzte den Plan fort. Eine Woche später — eine Erkältung. Noch eine Woche später — ein ziehender Schmerz im Knie, der nicht verschwand.
Die Diagnose: Übertraining. Der Körper kam mit der Erholung zwischen den harten Blöcken nicht hinterher.
Die Lösung:
- vollständiger Trainingsstopp für 10 Tage;
- die Blutwerte zeigten niedriges Ferritin (Eisenspeicher) und einen Vitamin-D-Mangel;
- nach der Erholung — Überarbeitung des Plans: ein vollwertiger freier Tag wurde eingebaut, der Umfang um 20 % gesenkt.
Das Ergebnis: Nach 3 Wochen Ruhe und leichten Einheiten kehrte der Morgenpuls auf 52 zurück, der Schlaf normalisierte sich, das Knie hörte auf zu schmerzen. Das Rennen musste um 2 Monate verschoben werden, aber dafür finishte sie gesund.
Die Lektion: Rote Flaggen darf man nicht ignorieren. Dein Körper lügt nicht. Wenn der Morgenpuls gestiegen ist, der Schlaf gestört und die Müdigkeit ständig da — dann heißt es nicht „durchhalten“, sondern es ist das Signal zu STOPPEN. Besser 2 Wochen Training auslassen als 3 Monate wegen Verletzung oder Krankheit ausfallen.
Periodisierung der Erholung. Plane die Regeneration genauso sorgfältig wie die Belastung:
- Mikrozyklus (Woche): nach 2–3 harten Einheiten — 1–2 leichte Tage oder ein Ruhetag.
- Mesozyklus (Monat): nach 3 Belastungswochen — 1 Entlastungswoche (der Umfang sinkt um 30–50 %).
- Makrozyklus (Jahr): nach dem Saisonende — 2–4 Wochen völlige Laufpause oder minimale Aktivität.
Denk daran: „Ruhe“ ist keine Schwäche. Sie ist die Strategie der Klugen und Starken.
6.7. Schlüsselnährstoffe für Ultramarathonläufer: Was Läufern fehlt
Ultramarathonläufer sind Maschinen, die Kalorien verbrennen und Mineralstoffe mit dem Schweiß ausscheiden. Selbst bei ausgewogener Ernährung kannst du Defizite bei Schlüsselnährstoffen haben, die den Fortschritt bremsen, die Regeneration verschlechtern und das Risiko von Verletzungen und Krankheiten erhöhen.
Magnesium: das stille Defizit der Mehrheit. Magnesium ist an über 300 biochemischen Reaktionen beteiligt: Energiestoffwechsel, Muskelkontraktionen, Proteinsynthese, Arbeit des Nervensystems. Laut nationalen Ernährungserhebungen erreicht rund die Hälfte der Erwachsenen die Magnesium-Zufuhrempfehlung nicht; ein klinischer Mangel ist seltener, aber bei Athleten ist das Risiko wegen der Schweißverluste höher.
Symptome einer Unterversorgung: Muskelkrämpfe (besonders nachts), schlechte Regeneration, Schlafprobleme, chronische Müdigkeit, innere Unruhe.
Was tun: Die Norm für Sportler liegt bei 400–500 mg/Tag. Besser aufgenommen werden Magnesiumcitrat oder -glycinat (Oxid wird schlecht aufgenommen). Quellen in der Nahrung: Nüsse, Samen, dunkle Schokolade, Spinat, Bananen.
Eisen: besonders wichtig für Frauen. Eisen wird für den Sauerstofftransport (Hämoglobin) und den Energiestoffwechsel in den Zellen gebraucht. Ein Eisenmangel bedeutet chronische Müdigkeit, Leistungsabfall, Atemnot. Bei Frauen ist das Mangelrisiko wegen der Menstruation 3–4 Mal höher. Auch bei Veganern und Vegetariern ist das Risiko erhöht.
Symptome: ständige Müdigkeit trotz gutem Schlaf, Leistungsabfall bei gleicher Belastung, hoher Puls bei gewohntem Tempo, Blässe, brüchige Nägel.
Was tun: Lass dein Ferritin (Eisenspeicher) testen. Die Norm für Sportler: 50–100+ ng/ml (nicht mit Hämoglobin verwechseln!). Ist das Ferritin <30 — hast du einen Mangel. Quellen: rotes Fleisch, Leber, Meeresfrüchte. Für Veganer — Eisenpräparate + Vitamin C für die bessere Aufnahme.
Vitamin D: das „Sonnenhormon“ für Immunsystem und Knochen. Vitamin D ist in Wirklichkeit ein Hormon. Es ist kritisch wichtig für das Immunsystem (weniger Erkältungen), die Knochengesundheit (Vorbeugung von Stressfrakturen) und die Muskelfunktion. Das Problem: 40–60 % der Bevölkerung haben einen Mangel, besonders in nördlichen Breiten im Winter.
Symptome: häufige Erkältungen und Infekte, Knochen- und Muskelschmerzen, schlechte Stimmung (besonders im Winter).
Was tun: Lass den 25-OH-Vitamin-D-Wert testen. Das Optimum für Sportler: 40–60 ng/ml (100–150 nmol/l). Liegt er unter 30 — nimm Präparate: 2000–4000 IE/Tag. Quellen in der Nahrung: fetter Fisch, Eier, Pilze. Die beste Quelle ist die Sonne (15–20 Minuten im Freien im Sommer).
Omega-3 (EPA und DHA): die Entzündungsbekämpfer. Lange intensive Einheiten verursachen systemische Entzündungen. Omega-3-Fettsäuren helfen, Entzündungen zu reduzieren, die Regeneration zu beschleunigen, die Herzfunktion zu verbessern und die Gelenke zu unterstützen.
Was tun: Iss 2–3 Mal pro Woche fetten Fisch (Lachs, Sardinen, Makrele). Wenn du vegan lebst oder keinen Fisch magst — nimm Präparate: 1–2 g EPA+DHA pro Tag. Leinöl zählt nicht — der Körper konvertiert ALA nur schlecht in EPA/DHA.
Natrium im Alltag. Wir sind gewohnt zu denken, „Salz ist böse“, aber für den Ausdauerathleten ist alles nuancierter. Die Basisempfehlung der WHO für die Bevölkerung liegt bei bis zu 2 g Natrium pro Tag (5 g Salz), und für Ruhetage ist sie vernünftig. Aber an Tagen mit langen, schweißtreibenden Einheiten verlierst du über den Schweiß zusätzlich 1–3 g Natrium und mehr — diese Verluste musst du über die Basis hinaus ausgleichen und darfst dein Essen ruhig nachsalzen. Der Richtwert ist einfach: Je mehr weiße Ränder auf dem Shirt nach dem Training und je stärker der Heißhunger auf Salziges — desto mehr darfst du zugeben.
Wie man Defizite überprüft. Rate nicht. Lass 1–2 Mal im Jahr Blutwerte bestimmen:
- großes Blutbild (Hämoglobin, Erythrozyten);
- Ferritin (Eisenspeicher);
- 25-OH-Vitamin D;
- Magnesium (besser in den Erythrozyten, nicht im Plasma);
- Schilddrüsenhormone (TSH, T3, T4).
Bei chronischer Müdigkeit, Leistungsabfall oder häufigen Krankheiten — geh zum Arzt und lass dich untersuchen.
Was du NICHT brauchst: Die meisten Multivitamine, „Sport-Komplexe“ und Nahrungsergänzungsmittel sind Marketing. Die Ausnahme: die Nährstoffe, bei denen ein Mangel nachgewiesen ist (Magnesium, Vitamin D, Omega-3, Eisen bei Bedarf).
Im nächsten Teil des Buchs kommen wir zum Leckersten — zur Rennstrategie. Wir sprechen darüber, was, wie viel und wann du essen und trinken solltest, um mit einem Lächeln im Ziel anzukommen statt am Tropf.